35 Jahre Turnen beim SV Gehrden

Fast unbemerkt haben wir in der Corona-Zeit ein beeindruckendes Jubiläum „gefeiert“. Die Kunstturner des SV Gehrden können auf ihr 35-jähriges Bestehen zurückblicken. Die lange Tradition wurde jetzt auch von der Zeitung gewürdigt:

HAZ von August 2020

Seit 35 Jahren turnen die Sportler in Gehrden wieder

Sportverein feiert Jubiläum der Turnerinnen auf die andere Art / Sparte etabliert sich mit Erfolg bei Deutschen Meisterschaften

Von Dirk Wirausky

Gehrden. Mit Jubiläen ist es manchmal so eine Sache. Nicht immer ist so richtig nachvollziehbar, wann ein Verein oder eine Sparte ins Leben gerufen worden ist beziehungsweise ab wann eigentlich gezählt werden muss. So ähnlich ist es auch mit dem Turnen in Gehrden. Eine Turngruppe gab es zwar schon in den Siebzigerjahren. Geleitet wurde sie von Else Bornemann, später von Lisa Paterock. Doch aus beruflichen Gründen mussten sich die Verantwortlichen zurückziehen, die Abteilung wurde aufgelöst.

„Der Anfang war schwer“

Bis Regina Hagen kam. Die 74-Jährige hat den Turnsport in Gehrden vor 35 Jahren wiederbelebt. Hagen, die selbst jahrelang geturnt hat, nahm sich zwölf Mädchen an und begann mit dem Gerätetraining. „Der Anfang war schwer“, erinnert sich Regina Hagen. Schließlich musste sie mit ihren Turnerinnen von Null ein Wettkampfprogramm erarbeiten, Trainingspläne erstellen und erste Wettbewerbe besuchen. „Doch es ging stetig bergauf“, sagt Hagen.

Und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. „Das hat natürlich motiviert“, sagt Hagen. Denn ein Vorhaben hatte sie von Beginn an: „Wir haben schon den Anspruch, etwas zu erreichen und uns mit anderen Gruppen zu messen“, sagt sie. Leistungsturnen sei gewollt.

Im Laufe der vergangenen Jahre kam zu den typischen Turngeräten wie Sprungtisch, Schwebebalken, Stufenbarren und Bodenfläche der Gruppen-Wettkampf dazu. Dabei gilt es, mit sechs bis zwölf Mädchen Choreografien im Turnen und Tanzen den Kampfrichtern vorzutragen. „Dieser Wettkampf macht viel Spaß, ist aber aber auch recht zeitaufwendig“, erzählt Regina Hagen. Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen. Bis zu den deutschen Meisterschaften haben es die Gehrderinnen bereits mehrfach geschafft.

Einen der größten Erfolge gab es 2019 bei den Deutschen Meisterschaften der Turngruppen in Regensburg. Die Gruppe der Altersklasse 12 bis 17 Jahre mit Maja Sander, Madita Thomas, Pia Schelinski, Laura Köhler, Marla Baumgarten, Matthea Kruckenberg, Nica Selcuc, Christin Riese und Joelle Reiß belegte den 10. Platz. Darüber gewannen die Turnerinnen des SV Gehrden in den vergangenen Jahren Landestitel und feierten zwei Norddeutsche Meisterschaften. Dreimal (2005, 2006 und 2016) war der SV Gehrden zudem Gastgeber der Landesmeisterschaften im Gruppen-Wettkampf.

Aktuell trainieren 43 Mädchen im Alter von fünf bis 18 Jahren in verschiedenen Leistungsgruppen. Normalerweise kommen sie in der Woche zweimal zu je zwei beziehungsweise drei Stunden in der Sporthalle zusammen. Normalerweise. Denn Corona hat auch die sportlichen Aktivitäten der jungen Turnerinnen stark beeinflusst.

Nach einer verordneten Zwangspause im Frühjahr ging es zunächst eher provisorisch auf dem Sportplatz wieder los. Inzwischen sind die Turnerinnen wieder in der Halle – allerdings in abgespeckter Form. Geübt wird nur noch einmal die Woche mit jeweils 15 Kindern. „Wir hoffen, dass der Normalbetrieb nach den Ferien wieder beginnen kann“, sagt Michaela Schrader. Die 51-Jährige war eines der ersten Turnmädchen; inzwischen ist sie zusammen mit Regina Hagen als Trainerin im Einsatz. Weitere Übungsleiterinnen sind Jacqueline Schrader und Sally Vesper. Unterstützung bekommt das Quartett zudem von Franziska Hübner und Annika Hagen.

Abgesehen von den sportlichen Erfolgen zählt hier vor allem eins: „Die Gemeinschaft wird bei uns groß geschrieben“, betont Hagen. Groß achte auf Klein, sei die Devise. Ein wichtiger Bestandteil dabei: Seit nunmehr 30 Jahren fahren die Turnerinnen über Pfingsten auf die Insel Langeoog. Eine Freizeit, die in diesem Jahr coronabedingt abgesagt werden musste.

Vor der Zukunft ist Hagen und Schrader nicht bange. „Wir sind gut aufgestellt“, sagen beide. Und sie loben auch die Unterstützung der zahlreichen Eltern. „Von ihnen kommt viel Hilfe“, sagt Regina Hagen. Und wie wird das 35-jährige Bestehen nun gefeiert? „Nicht groß“, sagt Hagen. Die Turnmädchen würden alle zu einem Eis eingelade n.

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